Aktuelles Heft: »Offenes Heft« - Editorial
Die vorliegende Ausgabe umfasst als »offenes Heft« Beiträge ohne bestimmten Themenschwerpunkt.
Den Beginn machen Flooh Perlot und Martina Zandonella, die wesentliche Studien¬ergebnisse zum Thema »Wählen mit 16 – Jugendliche und Politik in Öster¬reich« ¬präsentieren. Anlässlich der 2007 vorgenommenen Senkung des aktiven Wahlalters auf 16 Jahre rufen die AutorInnen die politischen Rahmenbedingungen für diesen Schritt in Erinnerung und beschreiben dann den theoretischen Hintergrund der Untersuchung. Anschließend dokumentieren sie Befunde von Telefoninterviews und Gruppendiskussionen mit 16- bis 18-Jährigen zu deren Demokratie- und Politikverständnis, politischem Interesse sowie zu deren Einstellungen gegenüber politischen Akteuren und gesellschaftspolitischen Problemen. Perlot und Zandonella argumentieren, dass politische Bildung nach neuen Konzepten suchen muss, um ¬politische Interessen und Kompetenzen von JungwählerInnen besser zu fördern. .
Herbert Langthaler und Helene Trauner befassen sich mit dem österreichischen Asylregime unter besonderer Berücksichtigung zivilgesellschaftlicher Partizipation. Die AutorInnen erläutern zunächst das Asylregime als Zusammenspiel rechtlich-politischer Regelungen, Prinzipien und Entscheidungsverfahren. Danach untersuchen sie gestützt auf eigene Erhebungen die politischen Möglichkeiten von Flüchtlingsselbstorganisationen und Flüchtlingsbetreuungsorganisationen, unter den gegebenen Rahmenbedingungen die Interessen von AsylwerberInnen zu vertreten. Langthaler und Trauner resümieren, dass Flüchtlingsbetreuungsorganisationen für die Aufrechterhaltung des Systems wichtig sind, Selbstorganisationen jedoch von politischen ¬EntscheidungsträgerInnen kaum gefördert und ernst genommen werden – das Potenzial von Selbstorganisation wird damit zu wenig genutzt. .
Ebenfalls mit Selbstorganisation beschäftigen sich Rudolf Forster, Gudrun Braunegger-Kallinger, Peter Nowak und Sonja Österreicher – und zwar im Hinblick auf gesundheitsbezogene Selbsthilfegruppen. Die AutorInnen fassen Ergebnisse ihres Forschungsprojekts zusammen und zeigen auf, wie sich drei aus der Literatur abgeleitete Funktionen von Selbstorganisation in Österreich empirisch nachweisen lassen – »wechselseitige Unterstützung«, »komplementäre Dienstleistung durch individuelle Unterstützung« und »kollektive Interessenvertretung«. Dabei werden Organisationsstrukturen, typische Aktivitäten, Ressourcenbedarf und Umweltbeziehungen dieser drei aufeinander aufbauenden Typen von Selbsthilfegruppen verglichen. .
»Politik zu Vaterschaft« ist das Thema des Beitrags von Mariam I. Tazi-Preve. Die Autorin vermittelt einen Überblick zu politischen Regelungen und Maßnahmen in Österreich, die speziell auf Väter abzielen, – und sie interpretiert diese im Kontext einer geschlechtsspezifischen österreichischen Familienpolitik und ihrer normativen Leitbilder. Tazi-Preve kommt zum Schluss, dass sich zwar das gesellschaftliche Vaterbild in Richtung Anerkennung der sozialen Kompetenz von Vätern und ihrer Teilhabe an Familie und Kindererziehung wandelt – allerdings wird eine aktive, fürsorgliche »soziale Vaterschaft« vom Arbeitsmarkt und einer Höherbewertung von Erwerbs- gegenüber Betreuungsarbeit eingeschränkt: Trotz gewisser rechtlicher und politischer Fortschritte ist die österreichische Familienpolitik nach wie vor geschlechtsspezifischen Rollenmustern verpflichtet. .
Die erste der beiden Forschungsnotizen in diesem Heft knüpft an die SWS-Bildstatistiken an. Patrick Horvath und Reinhold Gutschik informieren in ihrem Beitrag »Aktuelle Positionen zur österreichischen Energiepolitik« über das Forschungsprojekt von WIWIPOL: In diesem wurden das Meinungsbild der ÖsterreicherInnen und -wichtiger energiepolitischer AkteurInnen zur Nutzung verschiedener Energiequellen, zum Ausbau von Kraftwerken und zum Energiesparen erhoben sowie energiepolitische Konflikt- wie Handlungspotenziale ermittelt.
Das Spannungsfeld von Erwerbstätigkeit und Doktoratsstudium behandelt die Forschungsnotiz von Doris Bammer und Petra Ziegler. Auf Basis quantitativer wie qualitativer Befragungen von DoktoratsstudentInnen an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Wien werden Finanzierungsformen des Doktoratsstudiums, subjektive Einschätzungen zum Studienfortgang, Probleme, Bedürfnisse und Wünsche dieser Studierenden aufgezeigt. Besonderes Augenmerk gilt dabei Unterschieden nach Studienrichtung sowie der Situation weiblicher Doktoratsstudierender.
Die Redaktion
