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Aktuelles Heft: OFFENES HEFT - Editorial

Nr. 1/ 2021 ist ein „offenes Heft“ mit Beiträgen zu unterschiedlichen Themen.

Ingrid Mairhuber und Christine Mayrhuber befassen sich mit dem „Gender Gap in Pensions“, dem geschlechtsspezifischen Pensionsnachteil von Frauen, in Österreich – 2019 mit 36,6 Prozent der vierthöchste in der EU. Die Autorinnen analysieren anhand eines interdisziplinären Forschungsansatzes Einflussfaktoren und Gründe für diesen Gender Gap. Ihre Analyse stützt sich auf pensionsstatistische Auswertungen sowie auf Interviews und Fokusgruppen-Diskussionen mit erwerbsfähigen Frauen, die 2019 in fünf österreichischen Bundesländern stattfanden. Ein wesentlicher Befund der Autorinnen ist, dass auch fehlendes Wissen über pensionsrechtliche Möglichkeiten das Handlungspotenzial von Frauen beschränkt, um ihren Pensionsnachteil zu verringern. Abschließend formulieren Mairhuber und Mayrhuber umfassendere Maßnahmenvorschläge, um die eigenständige Absicherung von Frauen im Alter zu verbessern.

„Frauen mit Behinderungen in Wien“ sind Thema des Artikels von Claudia Sorger und Nadja Bergmann. Die Autorinnen präsentierten Ergebnisse eines im Zeitraum November 2018 bis Dezember 2019 durchgeführten partizipativen Forschungsprojekts: „Partizipativ“ bezieht sich auf die Fokusgruppen-Diskussionen, die die Autorinnen mit unterschiedlichen Gruppen von Frauen mit verschiedenen Behinderungsformen geführt haben, und auf deren Basis die Sichtweisen dieser Frauen in die Analyse eingeflossen sind. Sorger und Bergmann zeigen dabei die Vielfalt von Lebenslagen, Problemen und Potenzialen dieser verschiedenen Gruppen von Frauen auf und verweisen in ihren Schlussfolgerungen auf gesellschaftspolitische Handlungsempfehlungen.

Gerlinde Mauerer beschäftigt sich mit Work-Life-Balance und geschlechterspezifischen Vorannahmen am Arbeitsplatz. Im Fokus stehen eigene empirische Erhebungen der Autorin, die sie zwischen September 2020 und Februar 2021 in Form von semi-strukturierten Leitfadeninterviews mit Elternpaaren in Wien und Umgebung durchgeführt hat, und die Mauerer mit theoriegestützten Überlegungen sowie früheren Erhebungen verbindet. Sie argumentiert, dass Elternschaft und die Inanspruchnahme von Elternkarenzen mit Kinderbetreuungsgeldbezug geschlechterspezifische Ungleichheiten in der Arbeitswelt verstärken sowie tradierte normative Geschlechterrollen-Erwartungen der Arbeitgeber*innen aufrechterhalten. Die COVID-19-Pandemie begünstigt Mauerer zufolge diese Entwicklung und erschwert gleichberechtigte duale Vereinbarungen der Eltern in Bezug auf Erwerbsarbeit, Elternkarenzen und Kinderbetreuung.

Vera Gallistl, Teresa Schütz, Theresa Heidinger und Franz Kolland erörtern Alltagsorganisation und Aktives Alter(n) unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie. Das Leitbild Aktives Alter(n) orientiert sich dabei an Aktivität und Produktivität – sowohl als individuelle Zielsetzungen älterer Menschen als auch in Form an diese Personen gerichtete gesellschaftliche Erwartungen. Die Autor*innen arbeiten auf Basis einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung und qualitativer Interviews mit in Niederösterreich lebenden Personen über 60 Jahre (im April und Mai 2020) heraus, inwiefern staatliche und gesellschaftliche Maßnahmen im Zuge der COVID-19-Pandemie aktives Alter(n) im Alltag einschränken und herausfordern.

Die österreichische Lernunterlage für Werte- und Orientierungskurse „Mein Leben in Österreich: Chancen und Regeln“ ist Thema des Artikels von Barbara Pusch. Die Autorin untersucht diese seit 2016 in Kursen für nach Österreich geflüchtete Personen verwendete und vom damaligen Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres herausgegebene Broschüre. Pusch orientiert sich am Konzept der „Weltauslegung“ des deutschen Soziologen Karl Mannheim und wendet die Methode der Dokumentarischen Diskursinterpretation an: Sie analysiert das intendierte Curriculum (das pädagogische Konzept und die Inhalte) sowie die Weltauslegung der Kursbuchproduzent*innen (wie sich deren Wahrnehmung der Geflüchteten im Kursbuch widerspiegelt), und weist diesbezüglich auch auf Kritikpunkte hin.

Ernst Gehmacher, 1987 Mitbegründer der SWS-Rundschau und seither Mitglied der Redaktion, ist im Jänner 2021 im Alter von 94 Jahren verstorben. Aus diesem Anlass erscheint im Anschluss an das Editorial ein Nachruf.