Archiv: Abstracts Heft 1/2006 (Deutsch)
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Miriam Lageder: Gender, Welfare und Ethnicity im »südlichen« Wohlfahrtsstaat am Beispiel der Betreuung älterer pflegebedürftiger Menschen in Italien
Ausgehend von Gøsta Esping-Andersens Typologisierung von drei Wohlfahrtsstaatsmodellen plädiert der Artikel unter Einbeziehung der Kategorie gender (soziokulturelle Konstruktion von Geschlecht) für ein viertes, »südliches« Wohlfahrtsstaatsmodell (Italien, Spanien, Griechenland, Portugal). Dieses ist durch ein patriarchalisches Familienmodell gekennzeichnet, für soziale Sicherheit ist primär die Familie zuständig. Der Arbeitsmarkt ist nach Geschlecht stark differenziert und die demographische Entwicklung von niedrigen Geburtenraten charakterisiert. Es wird die These formuliert, dass im »südlichen« Wohlfahrtsstaat nicht nur gender von Relevanz ist, sondern auch ethnicity wichtiger wird – eine durch Selbst- und Fremdzuschreibung definierte Zugehörigkeit zu einer nationalen, sprachlichen, kulturellen Gruppe. Diese Überlegungen werden am Beispiel der Betreuung pflegebedürftiger alter Menschen in Italien erläutert, wo zunehmend Migrantinnen die un(ter)bezahlte Pflegearbeit ein-heimischer Frauen ersetzen. Der Artikel kommt zum Ergebnis, dass eine ambivalente Einwanderungspolitik im »südlichen« Wohlfahrtsstaat prekäre Beschäftigungsverhältnisse für MigrantInnen fördert und dass eine Lösung der zunehmenden Pflegeproblematik durch die öffentliche Hand unwahrscheinlich ist.
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